Was ist Ergotherapie

Was ist Ergotherapie?

Es gibt viele Gründe, einen Ergotherapeuten aufzusuchen: Manchmal sind die Klienten Kinder, bei denen die Eltern, der Kinderarzt oder die Erzieherin in Krippe oder Kindergarten Auffälligkeiten in der Entwicklung, im Bewegungsbild oder bei gewissen Handlungen feststellen. Oder, später, die Lehrer im Alltag der Schule.


Erwachsene suchen Unterstützung durch den Ergotherapeuten oft nach Unfällen, deren Folgen zu Beeinträchtigungen im Alltag führen, nach Schlaganfällen – aber auch zur Vorbeugung von „Ausfallerscheinungen“ im Alter.


Ergotherapie ist ein anerkanntes Heilmittel, das von Ärzten verordnet wird und ist dadurch eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen und vieler privater Kassen [1]. Sie ist eine Methode, deren Sichtweise von den Erkenntnissen der Medizin, Psychologie, Pädagogik, Philosophie und der Occupational Science (frei zu übersetzen mit „Handlungswissenschaften“) geprägt ist [2]. Kernelement der ergotherapeutischen Arbeit ist, die individuelle Handlungskompetenz des jeweiligen Klienten zu erhalten, zu verbessern oder wieder herzustellen bzw. seine Handlungsdysfunktion zu mildern oder zu beheben [3], damit der Betroffene im täglichen Leben wieder selbstständig handeln kann.


Gleichermaßen ist es Auftrag der Ergotherapie, Menschen unabhängig von Alter und Krankheit davor zu bewahren, Einschränkungen in Ihrem Alltag zu erleben (Krankheitsprävention). [2, 3, 4,5].


Das Ziel der ergotherapeutischen Behandlung ist es, dem Klienten die Teilhabe in seinen verschiedenen alltäglichen Lebensbereichen (Selbstversorgung, Produktivität, Freizeit) zu ermöglichen [2].


Am Anfang der ergotherapeutischen Behandlung wird gemeinsam von Klient und Ergotherapeut besprochen, welche Bedingungen seine Handlungskompetenz beeinflussen oder beeinträchtigen. Dazu nutzen Ergotherapeuten zum Beispiel standardisierte Testverfahren, Interviews oder gezielte Beobachtungen. Dabei beachten sie nicht nur die individuellen körperlichen und seelischen Gegebenheiten ihrer Klienten, sondern beispielsweise auch deren soziale und physische Umwelt. So kann der Ergotherapeut ein ganzheitliches Bild von seinem Klienten erlangen und gemeinsam mit diesem die Behandlung individuell gestalten [2, 6].


Am Ende der Informationssammlung formuliert der Klient (bei Kindern mit den Eltern zusammen) zusammen mit dem Ergotherapeuten Handlungsziele, die er erreichen möchte. So kann der Erfolg der Therapie für alle überprüfbar gemacht werden.


Danach wird, ebenfalls gemeinsam mit dem Klienten, ein Behandlungsplan erstellt. Der Klient ist dabei Experte für sein Leben und die zu erreichenden Ziele, der Ergotherapeut steht als Experte für die Behandlung. So erarbeiten Klient und Therapeut Strategien, um die Faktoren zu beseitigen, zu kompensieren oder zu umgehen, welche die Handlungsfähigkeit des Klienten und somit auch die Teilhabe am Leben beeinflussen [2, 6].


Die Teilhabe ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren. So kann sie beispielsweise erreicht werden, indem man die Umweltbedingungen an die Bedürfnisse des Klienten anpasst, oder die Fähigkeiten und Funktionen des Klienten verbessert oder erhält. Eventuell könnte auch die Versorgung mit Hilfsmitteln notwendig sein [2, 6].


Die Therapiemethoden und -materialien sind unterschiedlich und werden ebenfalls individuell an den Klienten und seine Bedürfnisse angepasst [2, 3, 4, 5, 6].


Quellen:

[1] Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V. – Patienten (2009). Studiert am 14.03.2010 auf dem World Wide Web: http://www.dve.info/patienten.html
[2] Townsend, E., Polatajko, H. (2007). Enabling Occupation II. CAOT Publications ACE. Canada, Ottawa, Otario
[3] Hagedorn, R., (2000). Ergotherapie Theorien und Modelle: Die Praxis begründen. Stuttgart; New York, Georg Thieme
[4] Hagedorn, R. (2004). Konzeptionelle Modelle für die ergotherapeutische Praxis. 2. Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag
[5] Duncan, AS, E. (2002). Foundations for Practice in Occupational Therapy. Churchill, Livingstone, Elsevier
[6] Klemme, B., Siegmann, G., (2006). Clinical Reasoning: Therapeutische Denkprozesse lernen. New York, Stuttgart, Georg Thieme