Verhaltenstherapeutisches Arbeiten

Verhaltenstherapeutisches Arbeiten

Verhaltenstherapeutisches Arbeiten in der Ergotherapie

Immer mehr Eltern geben im Erstgespräch Auffälligkeiten im Verhalten oder einen Mangel an Sozialkompetenzen bei ihrem Nachwuchs an. Die Kinder zeigen beispielsweise ein geringes Selbstbewusstsein, reagieren überdurchschnittlich aggressiv oder ängstlich, zeigen eine geringe Frustrationstoleranz oder haben Probleme mit anderen Personen angemessen zu interagieren. Durch diese Zunahme entsteht auch ein neuer Schwerpunkt in der ergotherapeutischen Behandlung mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Denn v. a. auch durch diese Auffälligkeiten sind die Kinder maßgeblich in ihrer Teilhabe am Alltag eingeschränkt. (siehe auch auf unserer Website „Was ist Ergotherapie“)

Was ist verhaltenstherapeutisches Arbeiten?

Es muss klar zwischen Verhaltenstherapie (VT) und verhaltenstherapeutischem Arbeiten unterschieden werden. Eine Verhaltenstherapie kann nur von einem qualifizierten Psychologen mit einer verhaltenstherapeutischen Zusatzausbildung geleistet werden. Dies ist v. a. bei sehr ausgeprägten Störungsbildern zu empfehlen, die Wartezeiten betragen jedoch meist mehrere Monate. Die Therapeuten in der Ergotherapie haben dagegen den Vorteil möglichst zeitnah mit dem Klienten arbeiten zu können, wodurch Eltern auch die Möglichkeit haben die Zeit bis zur Verhaltenstherapie zu überbrücken und das Kind bis dahin schon zu stabilisieren. Des Weiteren gibt es Kinder mit weniger ausgeprägten Auffälligkeiten für die eine VT nicht unbedingt notwendig ist und die durch ergotherapeutische Unterstützung wieder in ihrer Teilhabe am Alltag gefördert werden können.

Beim verhaltenstherapeutischen Arbeiten wird durch verschiedene Strategien und Lernmodelle, wie beispielsweise Modelllernen, Konditionierung (Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten und auslösenden Reizen bewusst machen), positiver Verstärkung (Belohnung) oder durch Rollenspiele, versucht, neue Verhaltensweisen auf- und alte unerwünschte Verhaltensweisen abzubauen.

Therapeutisches Vorgehen

In der Therapie wird unter anderem durch alltagsnahe Situationen (z.B. Einkaufen gehen), dem gezielten Herbeiführen von Konfliktsituationen oder durch Gespräche versucht, verhaltenstherapeutisch durch oben genannte Strategien auf das Verhalten einzuwirken und gemeinsam neue Lösungen zu erarbeiten. Ein wichtiger Bestandteil ist auch das Einbinden der Eltern in die Therapie, um Therapieerfolge langfristig zu wahren und neu gelernte Verhaltensweisen besser in den Alltag übernehmen zu können, da das soziale Umfeld das Verhalten von einer Person immer unweigerlich bedingt. Außerdem besteht die Möglichkeit in der Therapie, mit Einwilligung der Eltern, Foto- und Filmaufnahmen zu machen, um ein bestimmtes Verhalten in der gemeinsamen Auswertung zu verdeutlichen. Auch im Gruppenprogramm „Ich bin stark“ (siehe auf unserer Website unter Konzepte -> Gruppenkonzept) werden in unserer Praxis verhaltenstherapeutische Inhalte angewendet.

Was sind die Ziele des verhaltenstherapeutischen Arbeitens?

–       Abbau von aggressiven Verhaltensweisen

–       Steigerung des Selbstbewusstseins

–       Abbau von Ängsten

–       Förderung der Sozialkompetenzen

–       Aufzeigen alternativer Verhaltensweisen

–       Durchbrechen von alten bzw. Aufbau neuer Verhaltensmustern

–       Bewusstmachen von kontraproduktiven Verhaltensweisen

–       Umfeld sensibilisieren und Transfer in Alltag ermöglichen, z.B. durch Einbinden der Eltern in die Therapie

–       Klares Vermitteln des Zusammenhangs zwischen Verhalten und Konsequenzen

 

Quellen:

1. Lauth, Linderkamp, Schneider (2011). „Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen“, Verlagsgruppe Weltz, Weinheim.

2. Löcker, Menke (2011). „Ergotherapeutisches Sozialkompetenztraining (EST)“, Schulz-Kirchner Verlag, Idstein.

3. Löcker, Otte-Löcker, Fortbildung „Verhaltenstherapeutisches ABC und die Anwendung in der Ergotherapie“, 2013, Leipzig.

4. Duden, http://www.duden.de/rechtschreibung/konditionieren