Legasthenie/Dyskalkulie

Wann spricht man von Legasthenie/Dyskalulie?

  • Von einer Legasthenie oder Dyskalkulie spricht man, wenn sich bei Kindern beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens Probleme ergeben, welche durch differente Sinneswahrnehmungen hervorgerufen werden. Daraus erfolgt zeitweise Unaufmerksamkeit beim Schreiben, Lesen oder Rechnen, die wiederum zu einer fehlerhaften Wahrnehmung führen kann.
  • Legasthenie und Dyskalkulie sind genetisch bedingt. Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) und Rechenschwäche sind erworben und vorübergehend.
  • Je früher die Problematik erkannt und darauf reagiert wird, desto schneller wird die Förderung erfolgreich sein.
  • Funktionierende Sinneswahrnehmungen sind entscheidend für das Erlernen des Schreibens, Lesens und Rechnens.

 

Legasthenie - Dyskalkulie

Gezielte und individuelle Hilfen

  • Das Verständnis für die Betroffenen hat eine große Bedeutung.
  • Ziel soll es sein, alle für die Problematik zu sensibilisieren.
  • Eine zielgerichtete Zusammenarbeit von Lehrern, Eltern und Therapeuten ist notwendig.
  • Ein ausschließlich vermehrtes Üben im Schreib-, Lese- oder Rechtschreibbereich ist nicht ausreichend.
  • Die pädagogische Diagnostik ermöglicht einen auf die Probleme des Betroffenen abgestimmten Förderplan.
  • Schärfung der Sinneswahrnehmungen, Aufmerksamkeitsfokussierung und Übung am Symptom sind die drei Schritte zum Erfolg. => hier greift die Ergotherapie

 





Gesetzliche Regelungen in der Schule

  • Keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen in Deutschland, sondern unterschiedliche Erlässe in den Bundesländern
  • Gesetzliche Vorschriften verlangen die Durchführung von Intelligenz- und LRS-Tests, obwohl diese für die Feststellung einer Legasthenie/Dyskalkulie allein nicht geeignet sind. Eine Fehleranalyse, die die Leistung des Kindes über einen längeren Zeitraum erfasst, ist daher anzuraten.
  • Eine Pathologisierung der Thematik führt zu falschen Interventionen und die benötigte pädagogische Hilfe bleibt aus.
  • Lehrkräfte können auch ohne multiaxiale Diagnostik im Unterricht Rücksicht auf die Kinder nehmen (z.B. mündliche Leistungen stärker bewerten wie schriftliche).

 

Ergotherapeutische Anamnese

  • Sozioemotionales Befinden des Kindes: Klassenintegration, Familiensituation, Leistungserwartungen Kind/Umfeld, Schulsituation, Lernsituation, Veränder- ungen innerhalb des letzten Jahres (sowohl in Schule, wie auch zu Hause), Verhalten des Kindes, mangelnde Lernbereitschaft, Versagensängste, etc.
  • Abklärung visueller Wahrnehmung
  • Empfehlung an einen Pädaudiologen zur Abklärung auditiver Wahrnehmung
  • Abklärung graphomotorischer Schwierigkeiten
  • Berücksichtigung von Primär-, bzw. Sekundärstörungen, wie z.B. Konzentrationsstörungen, AD(H)S, etc.

 

Nach folgenden Ansätzen arbeiten wir in der Praxis:

Gezielte Unterstützung, um die Rechenfähigkeit zu verbessern

  • Mathe-Speichertraining (Grundlage Jansen-Streit, weiterentwickelt durch Gerda Knagge)
    • Zehnerzerlegung prüfen
    • Übungsvorgehen für zu Hause erarbeiten
    • Übergang ins Schriftliche Rechnen, über den Zehner hinaus
    • Malrechnen
    • Motivationshilfen
  • Ergotherapeutisches Coaching, um innere Blockaden gezielt aufzugreifen und Lösungsmöglichkeiten dafür zu entwickeln (z.B. Verbesserung des Selbstbewusstseins, Stressbewältigung, etc.)
  • Verbesserung der Wahrnehmungsschwächen (z.B. Raum-Lage-Wahrnehmung, auditive Merkfähigkeit, etc.)
  • Verbesserung von graphomotorischen Schwierigkeiten (Graphomotoriktraining)
  • Verbesserung der Primär-/Sekundärstörungen (z.B. Konzentrationstraining, Verbesserung der Merkfähigkeit, etc.)
  • Elternberatung

 

Gezielte Unterstützung, um die Lesefähigkeit zu verbessern

  • Potsdamer Lesetraining PotsBlitz
    • deutliche Verbesserungen der Lesegenauigkeit (37%), v.a. im Bereich längerer + mehrsilbiger Wörter
    • Vermittlung einer visuellen Segmentierungsstrategie
    • => Ziel Verbesserung Lesegenauigkeit und -geschwindigkeit
    • ab Mitte der 2. Klasse/Anfang der 3. Klasse, positive Erfahrungen bis Klasse 10
  • Individuellen Übungsplan für zu Hause mit Eltern und Kind erarbeiten, konsequente Umsetzung prüfen
  • Ergotherapeutisches Coaching, um innere Blockaden gezielt aufzugreifen und Lösungsmöglichkeiten dafür zu entwickeln (z.B. Verbesserung des Selbstbewusstseins, Stressbewältigung, etc.)
  • Verbesserung der Wahrnehmungsschwächen (z.B. flüssige Augenfolgebewegung, sicheres Überkreuzen der Körpermitte, etc.)
  • Verbesserung der Primär-/Sekundärstörungen (z.B. Konzentrationstraining, Verbesserung der Merkfähigkeit, etc.)
  • Elternberatung

 

Gezielte Unterstützung, um die Rechtschreibfähigkeit zu verbessern

  • VAS-Methode
    • Buchstabenanalyse und Buchstabenspeichertraining
    • Fehleranalyse
    • Rechtschreibtraining zur Automatisierung der einzelnen Regelbereiche
  • Elternberatung
  • Ergotherapeutisches Coaching, um innere Blockaden gezielt aufzugreifen und Lösungsmöglichkeiten dafür zu entwickeln (z.B. Verbesserung des Selbstbewusstseins, Stressbewältigung, etc.)
  • Verbesserung der Wahrnehmungsschwächen (z.B. Raum-Lage-Wahrnehmung, sicheres Überkreuzen der Körpermitte, auditive Merkfähigkeit, etc.)
  • Verbesserung von graphomotorischen Schwierigkeiten (Graphomotoriktraining)
  • Verbesserung der Primär-/Sekundärstörungen (z.B. Konzentrationstraining, Verbesserung der Merkfähigkeit, etc.)

 

Bitte beachten Sie:

LRS gilt als Entwicklungsverzögerung

=> Eine LRS wird daher von den Kassen nicht als Diagnose akzeptiert, die eine ergotherapeutische Behandlung begründet, da nur Entwicklungsstörungen eine ergotherapeutische Behandlung begründen (im Heilmittelkatalog so verankert)! Der medizinische Ansatz sieht auch eine LRS als Entwicklungsstörung, nicht aber der pädagogisch-psychologische. Sollte bei Ihrem Kind daher keine Diagnose vorliegen, die eine ergotherapeutische Behandlung begründet, und Sie demzufolge keine Verordnung von Ihrem Arzt erhalten, können Sie unsere Unterstützung auch als Selbstzahler in Anspruch nehmen. Siehe dazu auf unserer Website unter Informationen für Selbstzahler.

Bei weiteren Fragen beraten wir Sie jederzeit gerne auch persönlich unter 08105/277 366.

 

Quellen:

  • Wegweiser bei Schreib-, Lese- oder Rechenschwierigkeiten, Dachverband Legasthenie Deutschland e.V.
  • VAS-Fortbildungsunterlagen Gerda Maria Knagge
  • Rechnen – keine Hexerei; Wie Kinder spielend Rechnen lernen & was Eltern darüber wissen sollten, Brigitte Haberda